Drei politische Entwicklungen innerhalb weniger Tage sorgen derzeit für Verunsicherung bei Millionen Hausbesitzer:innen: Die Wärmepläne der rund 80 deutschen Großstädte liegen vor, der Bundestag sowie der Bundesrat haben das neue Heizungsgesetz beschlossen und die KfW richtet ihre Heizungsförderung neu aus. Viele fragen sich deshalb, ob eine Modernisierung jetzt überhaupt sinnvoll ist oder sie mit einer Heizungsentscheidung besser warten sollten. Aroundhome, die unabhängige Vermittlungsplattform von Fachfirmen für Hausprojekte (www.aroundhome.de), erklärt, welche Entscheidungen Eigentümer:innen schon heute treffen können und sollten.
„Verunsicherung ist nach den vielen Debatten verständlich, doch reines Abwarten löst die Unsicherheit nicht. Wichtig ist jetzt ein systematisches Vorgehen: Eine sinnvolle Modernisierung rechnet sich über die Gebäudesubstanz und sinkende Betriebskosten – daran ändern in der Grundlogik auch Anpassungen bei Förderungen nichts. Ein individueller Sanierungsplan holt Eigentümer aus der Unklarheit und macht Entscheidungen wieder Schritt für Schritt kalkulierbar“, sagt Swen Dreßen, Experte für energieeffizientes Wohnen bei Aroundhome.
Diese fünf Fragen helfen jetzt bei der richtigen Entscheidung
1. Was bedeutet die kommunale Wärmeplanung für mein Haus?
Die kommunale Wärmeplanung zeigt, welche Wärmeversorgung für das eigene Wohngebiet vorgesehen ist. Dazu zählen etwa Fernwärme oder dezentrale Lösungen. Für Kommunen mit mehr als 100.000 Einwohner:innen mussten die Wärmepläne bis Ende Juni 2026 vorliegen. Für kleinere Kommunen gilt die Frist bis Ende Juni 2028. Sie bietet eine wichtige Orientierung, liefert jedoch keine verbindlichen Aussagen darüber, wann Maßnahmen umgesetzt werden oder welche Lösung für das einzelne Gebäude die beste ist. Eigentümer:innen sollten deshalb prüfen, ob ihre Kommune den Wärmeplan bereits veröffentlicht hat und welche Aussagen sich daraus für die eigene Immobilie ableiten lassen. Die Informationen sind in der Regel auf der Website der Kommune oder des zuständigen Energieversorgers verfügbar und sollten in die Planung künftiger Modernisierungsmaßnahmen einbezogen werden.
2. Muss ich meine Heizung jetzt austauschen?
Nicht jede Heizungsanlage muss kurzfristig ersetzt werden. Entscheidend sind unter anderem ihr Alter und Zustand, die Energieeffizienz des Gebäudes sowie ein möglicher Reparaturbedarf. Wer akuten Sanierungsbedarf hat, sollte notwendige Investitionen nicht allein aufgrund der neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen oder der kommunalen Wärmeplanung aufschieben. Vor einer Entscheidung über den Austausch der Heizung empfiehlt sich eine fachliche Bewertung der bestehenden Anlage sowie ein Abgleich mit den langfristigen Planungen der Kommune. Funktioniert die Heizung zuverlässig und besteht kein akuter Handlungsbedarf, bleibt in der Regel ausreichend Zeit, verschiedene Optionen sorgfältig zu prüfen. Steht dagegen ohnehin ein Austausch an oder arbeitet die Anlage sehr ineffizient, sollte die Modernisierung frühzeitig geplant werden.
3. Welche Maßnahmen lohnen sich unabhängig vom Heizungsgesetz?
Auch nach dem Beschluss des neuen Heizungsgesetzes gibt es Modernisierungen, die unabhängig davon sinnvoll sein können. Dazu gehören je nach Gebäude beispielsweise:
- Dach- oder Kellerdeckendämmung (je nach Maßnahme und Ausführung ca. 1.200 bis 5.000 Euro)
- hydraulischer Abgleich der Heizungsanlage (ca. 400 bis 1.000 Euro)
- moderne Heizungsregelung (je nach System meist im unteren vierstelligen Bereich)
- Photovoltaikanlage (sofern Dachfläche und Wirtschaftlichkeit dafür sprechen, je nach Anlagengröße meist 10.000 bis 20.000 Euro)
Andere Maßnahmen sollten dagegen immer individuell bewertet werden. Dazu zählen insbesondere:
- Einbau einer Wärmepumpe (je nach Art und Gebäude ca. 16.000 bis 40.000 Euro vor Förderung)
- Austausch von Fenstern (650 bis 1.100 Euro pro Fenster)
- Fassadendämmung (60 bis 250 Euro pro m²)
Anmerkung: Die genannten Kosten basieren auf Kostenübersichten von Aroundhome und dienen als Orientierung. Je nach Gebäude, Region, Material und Ausführung können sie deutlich abweichen.Welche Maßnahmen geeignet sind, hängt immer vom Gebäude selbst ab. Besonders relevant sind dabei etwa der energetische Zustand des Hauses, das bestehende Heizsystem sowie die eigenen Sanierungsziele. Vor größeren Investitionen empfiehlt sich eine energetische Bestandsaufnahme der Immobilie als Grundlage für einen individuellen Sanierungsfahrplan.
4. Wann sollte ich handeln und wann besser noch warten?
Handlungsbedarf besteht insbesondere, wenn:
- Reparaturen an der bestehenden Heizungsanlage zunehmend teuer werden.
- ohnehin eine größere Sanierung geplant ist und beispielsweise bereits ein Gerüst gestellt wird.
- dauerhaft hohe Energiepreise zu hohen Betriebskosten führen und die bestehende Heizungsanlage ineffizient arbeitet.
Zunächst genauer analysieren sollten Eigentümer:innen, wenn:
- die bestehende Heizung zuverlässig funktioniert und kein akuter Handlungsbedarf besteht.
- ein Anschluss an ein Wärmenetz innerhalb der nächsten Jahre realistisch erscheint.
- ohnehin eine umfassende Dachsanierung geplant ist und sich Modernisierungsmaßnahmen zielführend bündeln lassen.
Förderprogramme sollten nicht allein über den Zeitpunkt einer Investition entscheiden. Neben der KfW können je nach Bundesland, Kommune oder Energieversorger weitere Förderprogramme oder Zuschüsse zur Verfügung stehen. Ein frühzeitiger Überblick über die verfügbaren Fördermöglichkeiten hilft dabei, die Finanzierung einer Modernisierung bestmöglich zu planen.
5. Warum ist eine Gesamtstrategie wichtiger als Einzelmaßnahmen?
Die Zukunftsfähigkeit einer Immobilie entscheidet sich nicht allein am Heizsystem. Gebäudehülle, Heiztechnik, erneuerbare Energien, Fördermöglichkeiten und die Wärmeversorgung vor Ort greifen ineinander. Ein konkreter Modernisierungsplan für die nächsten fünf bis zehn Jahre hilft dabei, einzelne Maßnahmen schrittweise aufeinander abzustimmen. So lassen sich Energieverbrauch und Betriebskosten senken oder die Eigenversorgung mit selbst erzeugter Energie – etwa durch Photovoltaik, Batteriespeicher und Wärmepumpe – erhöhen. Das stärkt die Unabhängigkeit von Energiepreisen und kann den Wert der Immobilie zudem erhalten oder steigern. Gerade in Zeiten politischer Veränderungen ist deshalb eine individuelle Gesamtstrategie sinnvoller als kurzfristige Entscheidungen aufgrund einzelner Gesetzesänderungen oder Förderprogramme.
Fazit
Nicht das neue Heizungsgesetz allein, sondern der Zustand der eigenen Immobilie sollte Modernisierungsentscheidungen bestimmen. Wer nachhaltig plant und die kommunale Wärmeplanung ebenso berücksichtigt wie die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen, schafft die Grundlage für wirtschaftlich tragfähige und zukunftssichere Investitionen.
Über Aroundhome:
Aroundhome ist eine unabhängige Plattform, die Hauseigentümer:innen dabei hilft, die passenden Fachfirmen für ihre Hausprojekte zu finden. Von neuen Fenstern bis zur Solaranlage, von der Küche bis zum Treppenlift. Mit unserem Team von 250 Mitarbeitenden, umfassenden Informationen und einer bedürfnisorientierten Beratung helfen wir täglich tausenden Hauseigentümer:innen dabei, die passende Fachfirma zu finden und ihr Hausprojekt erfolgreich umzusetzen. So unterstützen wir sie auf dem Weg, ihre Immobilie in ein modernes, zukunftssicheres Zuhause mit nachhaltigem Wert zu verwandeln.